Das Ruhrgebiet ist nicht Wildwest – Fracking in der Diskussion

Der Schutz des Trinkwassers und der Bevölkerung hat höchste Priorität und deshalb das Fracking-Verfahren zur Förderung von unkonventionellem Erdgas in der Region abzulehnen. Das ist die Bilanz der Veranstaltung „Goldgräberstimmung im Ruhrgebiet? – Fracking oder wie Erdgas aus dem Boden gespült wird“ am Mittwoch in Witten. Rund 100 Interessierte waren der Einladung von Bündnis 90/Die Grünen gefolgt sich über das Thema zu informieren und zu diskutieren.

Einhellig wurde das laxe, in großen Teilen noch aus dem 19. Jahrhundert stammende Bergrecht kritisiert, das aufgrund von Anpassungen aus der Nazizeit Öffentlichkeit und Umweltschutz weitgehend ausblendet. Udo Paschedag, Staatssekretär im NRW-Umweltministerium und die Landtagsabgeordnete Wibke Brems gaben einen Überblick über die verschiedenen politischen Initiativen seitens des Umweltministeriums und der Grünen Landtagsfraktion, um das Bergrecht auf die Höhe der Zeit zu bringen und damit auch das Fracking zu verhindern. Die rot-grüne Landesregierung werde im Bundesrat eine entsprechende Initiative starten. Paschedag versicherte zudem, dass man, anders als im benachbarten Niedersachsen, für jegliche Art von Bohrungen das weitaus moderne Europarecht anwenden und auf jeden Fall von den Unternehmen eine Umweltverträglichkeitsprüfung einfordern werde. Damit würden sich viele Fragen von allein klären und Genehmigungen von Probebohrungen wie im schwarz-gelb regierten Niedersachsen wohl erledigen.

Der Sprecher der grünen Kreistagsfraktion Paul Lang ergänzte, dass der Verwaltung in Schwelm bisher keine Anträge für Probebohrungen bekannt seien. „Die Kreisverwaltung hat zugesichert, Politik und Öffentlichkeit rechtzeitig und umfassend zu informieren, falls solche Anträge gestellt werden“, sagte der Wetteraner. Er verwies zudem darauf, dass die Bürgerinnen und Bürger es selbst in der Hand hätten nachzufragen, insbesondere bei Unternehmen wie Wintershall, das die Rechte für das Ausbeuten von Erdgas im Ennepe-Ruhr-Kreis und im Ruhrgebiet hat.

Wintershall, ein Tochterunternehmen der BASF, habe bisher mit einer Politik des Verschleierns und des Aussitzens maßgeblich zur Verunsicherung der Bevölkerung beigetragen, kritisierte denn auch Börje Wichert, Sprecher des Bezirksverbands Ruhr der Grünen. „Trotz mehrfacher Aufforderung hat Wintershall sich nicht bereit erklärt, einen Vertreter für die Podiumsdiskussion zu benennen und sich der Diskussion mit besorgten Bürgerinnen und Bürgern zu stellen“, sagte Wichert. Die Menschen hier hätten aber ein Recht darauf zu wissen, was konkret geplant sei und ob auch „gefrackt“ werden solle.

Dieser Position schloss sich Janosch Dahmen, der Sprecher des Grünen im Ennepe-Ruhr-Kreis  uneingeschränkt an. „Wir werden dieses Thema auf lokaler und regionaler Ebene in Zukunft intensiv weiter verfolgen und auch die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig über neue Initiativen und Veranstaltungen informieren“, sagte der Wittner. „Wir werden insbesondere auch Wintershall genau auf die Finger schauen. Schließlich sind wir hier nicht in Wilwest, wo jeder machen kann, was er will“, sagte Dahmen, der auch Mitglied im Vorstand der Grünen NRW ist.

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